Vor acht Wochen noch Reformeifer, jetzt: Strandmodus. Während die meisten Deutschen ihren Urlaub in mageren zwei, drei Wochen unterbringen müssen, verabschiedet sich die Bundespolitik in satte 58 Tage Sommerpause. Dabei hatte Kanzler Friedrich Merz noch im Juni verkündet: “Politikwechsel macht keine Ferien!”
Doch was ist daraus geworden?
Von Sofortprogrammen zu Sofa-Programmen
Erinnern Sie sich noch an die “Schlag-auf-Schlag”-Ankündigungen? An die Versprechen, noch vor der Sommerpause die Republik zu retten – mit Asyl-Turbos, Wirtschaftsboostern und anderen Wunderwaffen? Passiert ist: fast nichts.
Stattdessen läuft jetzt das übliche Sommerprogramm:
- Haushaltsausschuss (der einzige, der wirklich arbeiten muss)
- Sommerinterviews (meist genauso substanzlos wie die Pause selbst)
- Medienwirksame Spaziergänge (für die Fotografen, versteht sich)
67 Tage Regierungszeit – in der freien Wirtschaft wäre Merz noch in der Probezeit. Aber Hauptsache, erstmal Work-Life-Balance für die politische Führungsetage.
Der große Widerspruch
Derselbe Merz, der monatelang predigte, “die Deutschen müssen mehr arbeiten”, gönnt sich jetzt zwei Monate Auszeit. Derselbe Kanzler, der “Schluss mit dem Schlendrian” forderte, prescht jetzt beim Verlassen des Plenums vorneweg.
Und wir?
- Bezahlen die 5,4% Diätenerhöhung für diese Pause
- Dürfen weiterhin 40-Stunden-Wochen schuften
- Bekommen erklärt, warum Feiertage gestrichen werden müssen
Warum das mehr ist als nur ein Ärgernis
- Es war ein klares Versprechen – Merz hätte die Pause einfach verkürzen können
- Es kostet nichts – außer etwas politischen Willen
- Es sendet ein fatales Signal – während überall “Krisenmodus” beschworen wird
Fazit: Politik im Dornröschenschlaf
Entweder sind 67 Tage Regieren heute schon so anstrengend, dass zwei Monate Erholung nötig sind. Oder die Sommerpause ist einfach ein Ritual, das niemand mehr hinterfragt.
Eins ist klar: Wer “Deutschland-Tempo” verspricht, darf nicht im Schneckentempo in die Ferien starten.